Wurde hier Bahnbrechendes angekündigt?
- 22. Feb.
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Dass über den sogenannten Warenkorb (eigentlich sind es immer mehr Dienstleistungen), der als Grundlage für die Berechnung des Landesindexes für Konsumentenpreise berichtet wird, gehört zur wiederkehrenden Routine. Die Welt ändert sich. Das Bundesamt für Statistik (BfS) berichtete letzte Woche darüber.
In dieser Pressemitteilung findet die geneigte Leserin und der geneigte Leser mit Affinitäten zu Immobilien zudem eine Ankündigung, die mir spektakulär erscheint. Zeitnah wird 1.) das statistische Angebot Ende 2026 mit einer neuen Statistik über Eigentümerwechsel bei Immobilien ergänzt und 2.) folgt ab Ende 2027 die Publikation eines neuen Immobilienpreisindex für Mehrfamilienhäuser. Wow!
Insbesondere das Projekt über die jährlichen Transaktionen darf – prima vista – als Bahnbrechend eingestuft werden. Ob die Daten dereinst einen Nutzen – beispielsweise für ein verbessertes Verständnis der sogenannten Marktliquidität – generieren werden, hängt von mehreren Faktoren ab. Um dazu fundierte Aussagen machen zu können, bräuchte man einen qualifizierten Zugang zum Projektdesign haben. Warten wir ab.
Blick in den Rückspiegel einer harzigen Geschichte
Hier noch eine kurze Geschichte zu Daten in Verbindung mit Immobilientransaktionen in der Schweiz:
1956: Der Zürcher Nationalrat Paul Steinmann fordert in einem Postulat eine Statistik zum Grundstückverkehr in der Schweiz: Anzahl Handänderungen, Preisentwicklungen sowie erzielte Gewinne.
1996: Das Bundesamt für Statistik (BfS) erarbeitete ein Detailkonzept für eine schweizerische Bodenpreisstatistik. Ausgangspunkt war dabei eine von beiden Räten überwiesene Motion Ruffy (86.938): Es blieb beim Konzept.
1998: In seiner Doktorarbeit forderte Christian Hilber, dass: «Die Markttransparenz auf dem Miet-, dem Boden- und dem Immobilienmarkt sollte erhöht werden. Dazu ist eine erhebliche Verbesserung der Daten- und Informationsgrundlagen notwendig. Zweitens sollten die Daten und Informationen allen Interessierten leicht (...) zugänglich gemacht werden.»
2003: Wüest & Partner (heute Wüest Partner) publiziert im Rahmen der Publikation «Immo-Monitoring» erstmals eine schweizweite Hochrechnung zum hiesigen Transaktionsmarkt mit räumlicher Gliederung nach Kantonen, Segmenten sowie dazugehörige Zeitreihen von 1990 bis 2024. Merke: Auch der Transaktionsmarkt von Bauland wurde angemessen datenmässig abgebildet. Ein Meilenstein in der Marktbeobachtung. Vgl. Digitalisat unten.

Fazit und Ausblick
Ich bin gespannt, ob das BfS (eine Institution, die nota bene ich sehr schätze) es schaffen wird, etwas «Brauchbares» und Nachhaltiges in diesem Gebiet zu schaffen. Ob es eine Aufgabe des Staates ist, entsprechendes Datenmaterial zu publizieren oder auch dazugehörige Preisindizes zu erstellen, ist eine andere und legitime Frage.
Unabhängig davon würde rund 70 Jahre nach dem ersten politischen Vorstoss auf Bundesebene damit wohl Statistikgeschichte in der Schweiz geschrieben. Une histoire à suivre.
Eine mögliche qualitative Messlatte bildet dabei die erwähnte Publikation von Wüest Partner aus dem Jahr 2003. Das damalige Projekt war vorausschauend und dies zu einer Zeit als fast niemand das Potenzial von Daten erkannt hatte. Von den damaligen datentechnischen Voraussetzungen wie Rechenleistung, Digitalisierung oder Speicherplatz ganz zu schweigen.
Die Moral der Geschichte: Wird endlich gut, was lange währt?
Quellen:
Hausmann, Urs: Liegenschaften wertgeschätzt, Zürich 2019.
Hilber, Christian: Auswirkungen staatlicher Massnahmen auf die Bodenpreise : eine theoretische und empirische Analyse der Kapitalisierung, Diss., Zürich 1998.
Wüest & Partner: Immo-Monitoring 2004, Band 1, Zürich 2003

