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Recherche zur NZZ nach dem Frühstück

  • 6. März
  • 3 Min. Lesezeit

Wir schreiben das Jahr 1995. In diesem Sommer reiche ich meine Doktorarbeit zu Innovationsprozessen bei Dienstleistungsunternehmen an der HSG ein. Als Übergangslösung unterrichte ich in einer befristeten Stelle an der Kantonsschule Zug für ein Semester Wirtschaft. Im September desselben Jahres hält ein Journalist der NZZ (Neue Zürcher Zeitung) an dieser Mittelschule einen Vortrag. Er berichtete darüber, dass es dereinst möglich sein werde, die Zeitung via Satelliten digital «herunterzuladen». Für mich tönte dies nicht nach Science-Fiction, zumal ich seit 1988 eine persönliche E-Adresse hatte. Und bereits 1993 war ich mit dem Mosaic-Browser erstmals im Internet. Tempi passati.


Eine journalistische Konstante in meinen Leben blieb und bleibt meine Wertschätzung gegenüber der NZZ. Während des Studiums Ende der 1980er Jahren lese ich diese Zeitung noch in der Zeitungsecke, die sich damals im Hauptgebäude der Universität St. Gallen (HSG) befand. Und seit exakt 30 Jahren habe ich ein Jahresabo der NZZ. Es ist Gold wert. Heute morgen lese ich die aktuelle Ausgabe NZZ auf meinen IPad. Die Einzelausgabe der Zeitung kostet 7 Franken und 70 Rappen. Hoppla. Diese monetäre Information triggert mich. Und ich konsultiere das digitale Archiv der NZZ-Gruppe.


Preisentwicklungen und Teuerung

Im Jahr 1880 kostet das Jahresabo für die gedruckte Ausgabe exakt 28 Franken. Seither hat sich dieser Preis um den Faktor 35 nach oben geschraubt. Er beträgt aktuell fast 1'000 Franken. Dazwischen liegen 146 Jahre. Dieser Start- und vorläufige Endwert gehen mit einer jährlichen Preissteigerung von 2.46% für ein Jahresabo für die NZZ einher.


Seit 1914 existiert der Landesindex der Konsumente. Bis Mitte der 1990er Jahre entwickelt sich der nominelle Abo-Preis der NZZ entlang der allgemeinen Teuerung. Danach fand eine eindrückliche Entkoppelung hat. Der Abo-Preis hat sich um den Faktor 3.5 nach oben geschraubt. Aus der Grafik lässt sich der indexierte Verlauf seit 1880 herauslesen. Während die Jahresteuerung über 112 Jahre 2.16% beträgt, erhöhte sich der Abo-Preis um 3.14% pro Jahr. Mein erstes Jahresabo im Jahr 1996 hatte damals ein Preisschild von 295 Franken und 30 Rappen.


Vor 46 Jahren bezahlte man am Kiosk für eine Einzelausgabe erstmals einen Franken. Heute sind es – wie bereits erwähnt – 7 Franken und 70 Rappen. Zum Vergleich. In der Stadt Zürich kostete im Jahr 1980 ein Espresso im Durchschnitt 1 Franken und 65 Rappen. Aktuell liegt dieser Wert bei knapp 5 Franken. Man rechne: Zahlte man 1980 für eine gedruckte Tagesausgabe der NZZ inklusive eines Espressos in einem Zürcher Restaurant 2 Franken und 65 Rappen; sind es heute 12 Franken und 70 Rappen. Eine doch bemerkenswerte Veränderung der relativen Preise, oder?


Seit Oktober 2012 bietet die NZZ ein rein digitales Jahresabo ab. Bei der Einführung kostete es 428 Franken pro. Damit war diese Variante substanziell günstiger als die klassische Print-Version. Dieses Jahresabo kostet damals 595 Franken. Ein Rabatt von knapp 30%. Stand heute kostet diese E-Paper-Version auch schon wieder 654 Franken. Innerhalb von gut 13 Jahren hat sich folglich dessen Preis um 50% erhöht. Im direkten Vergleich mit der Print-Version mit demselben redaktionellen Inhalt ergibt sich gleichwohl eine Ersparnis von rund 360 Franken.


Die Moral von der Geschichte

Qualitätsjournalismus hat seinen Preis. Keine Frage. Aber derselbe Qualitätsjournalismus hat sich bis Mitte der 1990er Jahren preislich deutlich moderater entwickelt als mit der Digitalisierungswelle, die uns seit rund 20 Jahren im Alltag begleitet. Die Analyse des monetären Kontextes des Gutes «Zeitung» macht uns einmal deutlich wie (methodisch) anspruchsvoll gehaltvolle Preisniveauvergleiche über die Zeit hinweg sind. Der Clou zum Schluss: Die rückblickende Preistransparenz hat in den letzten 10 Jahren nicht etwa zugenommen, sondern vielmehr abgenommen. Ein Paradox der Digitalisierung?

Hedge-Option: Wenn 2012 auf die digitale Version umgestiegen wäre, dann hätte man zwischen 1914 und 2025 ziemlich die mittlere jährliche Teuerung mit dem eigenen Jahresabo der NZZ durchlaufen. Dafür hätte man auch ein entsprechende Gerät à la Tablet kaufen müssen. Und das war und ist auch nicht gratis.


Quellen:

Statistisches Jahrbuch der Stadt Zürich

 
 
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