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Seit sieben Jahren, elf Monaten und zwei Tagen mache ich Home-Office. Freiwillig und ressourcenschonend. Meine wichtigste persönliche Erkenntnis damit diese Übungsanlage effektiv funktioniert: Disziplin. Eine Binsenwahrheit, die sich freilich ein weiteres Mal zu bestätigen scheint.

Mein Thema dieses Beitrags ist aber ein anderes. Vielmehr geht es um die Beobachtung und Wahrnehmung von Raum und Zeit. Fast auf den Tag genau schloss ich vor 24 Jahren meine volkswirtschaftliche Doktorarbeit ab. Darin untersuchte ich die Innovationsfähigkeit von Dienstleistungsunternehmen in Verbindung mit ihrem physischen Unternehmensstandort. Die Schnittstelle zwischen Unternehmensstandort, individueller und kollektiver räumlicher Entwicklung sowie betrieblichen Innovationen zog mich schon damals in ihren Bann. Die Faszination hält bis heute an. In der volkswirtschaftlichen Theoriebildung aber nimmt die Dimension «Raum» in der Regel eine stiefmütterliche Rolle ein. «Ökonomie als Wunderland ohne Raum» wie e...

Als neugewählter Bundesrat wollte Ignazio Cassis anfangs 2018 den «Reset»-Knopf drücken. Es ging dem Aussenminister darum, die festgefahrene Situation im Dossier der Bilateralen Verträge mit der EU neu aufzugleisen. Er fand den gesagten Knopf nicht. Was dem Magistraten und Arzt aus dem Tessin nicht gelang, schaffte ein bisher unbekannter und gefährlicher Virus in Windeseile. Er schuf blitzartig neue und harte Realitäten. Die rasante Verbreitung des Virus zwingt zahlreiche Volkswirtschaften und in letzter Konsequenz die Weltwirtschaft in die Knie. Innerhalb von nur wenigen Wochen wurden hüben wie drüben mehr oder weniger kontrollierte volkswirtschaftliche Teil- oder Vollbremsungen staatlich verordnet.

Vor diesem Hintergrund hat der Bundesrat in etlichen privatrechtlichen Rechtsgebieten interveniert so auch im Mietrecht (konkret Ende März 2020). Im Falle eines Zahlungsverzugs seitens der Mieterschaft sind die hiesigen Normen streng: Nach Massgabe von Art. 257d Abs. 2 OR kann der Vermieter...

​​Das hierzulande geltende Notregime (teilweiser Lockdown) soll dazu beitragen, Menschenleben zu retten. Es ist das bisher fast unbestrittene Gebot der Stunde. So einzigartig dieses Regime im Massstab eins zu eins ist, so bemerkenswert ist auch seine Ergiebigkeit an Geschichten. Es liefert mir in einem fort Stoff zum Denken und Schreiben. Diesmal geht es um das Thema Immobilienbewertung. Seit kurzem weisen Verkehrswert- bzw. Marktwertschätzungen, die von hiesigen bewertenden Instanzen erstellt werden, einen besonderen «Disclaimer» auf. «Endlich!», schoss es mir als geschulter Volkswirt durch den Kopf als ich vor zwei Tagen davon zufällig erfuhr. «Endlich» ist hier nicht zeitlich zu verstehen, sondern es hat einen erkenntnistheoretischen Hintergrund.

Zur Vermeidung von allfälligen Missverständnissen sei zudem in Klammern angemerkt, dass die nachfolgend behandelte Textpassage korrekterweise nicht unter der Rubrik «Disclaimer» – auf gut Deutsch gesagt Haftungsausschluss – stehen sollte, so...

Rückblende

Die geografische Fläche der Stadt Zürich beträgt 91.885 Quadratkilometer. Seit der letzten Eingemeindungsrunde, die im Jahr 1934 über die Bühne ging, ist diese Fläche verstanden als geografischer Perimeter unverändert geblieben. Damals lebte 316'000 Menschen vor Ort. Sie wohnten in 88'600 Wohnungen. Mit anderen Worten belegten 3.56 Personen im Mittel eine Wohnung. Der mittlere Jahresmietzins betrug in jener Zeit für eine Vierzimmerwohnung (mit eigenem Bad!) 1855 Franken. Im Vergleich: Die Kosten für Wohnen und Energie für einen Privathaushalt dürften sich damit im selben Rahmen bewegt haben wie es heute der Fall ist.

Zwischen 1924 und 1934 wuchs der Wohnungsbestand in die Limmatstadt markant an. Öffentliche und private Bauträger sorgten in diesem Zeitfenster dafür, dass in Spitzenjahren deutlich über 3'000 Wohnungen neu gebaut wurden. Die damalige Bautätigkeit war in absoluten Zahlen gemessen mindestens auf Augenhöhe mit der heutigen. Ende der 1920er-Jahre beschäftigten in der...

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