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Der Stadtgenfer Mietwohnungsmarkt besitzt bei in der Deutschschweiz ansässigen institutionellen Investoren oftmals einen durchzogenen Ruf. Bisweilen gilt er als rotes Tuch. Weshalb? Der dortige Mietwohnungsmarkt steht unter Verdacht, dass er miet- und baurechtlich investorenfeindlich oder zumindest übermässig reguliert sei. Darauf gründet wohl auch die stereotype Einschätzung, dass Investitionen oder der Kauf von Mehrfamilienhäuser in der Genfer Metropole – zumindest für Deutschschweizer Akteure – wenig attraktiv seien. Auch mangelt es nicht an Studien, die die dortigen Normen zum «Mieterschutz» als ineffizient oder zumindest als hinderlich brandmarken.

Nachfolgend finden sich ein paar empirisch abgestützte Erkenntnisse zum Genfer Mietwohnungsmarkt. Der untersuchte Zeitraum beginnt anfangs 2010 und endet 2019. Im Zentrum steht die Frage, ob die teilweise vorhandene Skepsis gegenüber dem Genfer Mietwohnungsmarkt aus distanzierter Investorensicht gerechtfertigt ist: Hartnäckiges Klischee...

​Kürzlich suchte mein Vater juristischen Rat bei mir. Es ging um eine Reiseversicherung. Er hatte den Vertrag vor rund fünf Jahren abgeschlossen. Die Versicherungsgesellschaft erinnerte ihn kurz vor Ablauf der Vertragslaufzeit mit einem Brief darauf hin, dass sich der fragliche Vertrag automatisch verlängern werde. Selbstredend mit einer happigen Erhöhung der Prämie. Auch bei ausgezeichneter Gesundheit halten sich die Reiseaktivitäten meines Vaters aufgrund seines fortgeschrittenen Alters seit geraumer Zeit in Grenzen. Ein entsprechender Versicherungsschutz wurde mehr und mehr obsolet. Was tun? Eine Konsultation des «Kleingedruckten» brachte rasch eine Klärung: Der Vertrag musste bis Ende Mai 2020 gekündigt werden. Damit konnte er die Sache in seinem Sinn erledigen und ad acta legen.

Mir hingegen fiel es wie Schuppen von den Augen: Das sogenannte Kleingedruckte – oder im juristischen Fachjargon Allgemeine Geschäftsbedingungen (AGB) genannt –, dürften im Nachgang zur Corona-Krise zur Ka...

Anfangs Februar 2017 witterte man Morgenluft. Die Kommission für Wirtschaft und Abgaben des Ständerats (WAK-S) gab damals grünes Licht, beim wenig beliebten Eigenmietwert, einen Systemwechsel aufzugleisen. Im August 2017 bestätigte Tochterkommission des Nationalrats die eingeschlagene Marschrichtung. Eine Sensation schien sich anzubahnen. Die Besteuerung des Eigenmietwerts im Kontext der direkten Bundessteuer (DBG) wurde nicht zum ersten Mal zur Disposition gestellt.

Im Kern ging und geht es darum, dass bei selbstgenutztem Wohneigentum mit gleichzeitigem Hauptwohnsitz - nicht jedoch für Zweitwohnungen - ein Systemwechsel vollzogen und der Eigenmietwert als Bestandteil der Einkommenssteuer abgeschafft werden sollte und soll. Selten wurde eine Steuer in der Schweiz so intensiv wie kontrovers und über viele Jahrzehnte diskutiert. Entsprechend lang präsentiert sich die Liste der Studien, Gutachten und Forschungsberichte, die sich mit diesem Thema beschäftigt haben. Im Winter 2017 also – so...

Mit diesem Blog dürfte ich mir keine neuen Freunde machen. Gleichwohl findet sich nachfolgend eine kleine Anekdote über die Vielschichtigkeit des Wirtschaftslebens und die Problematik von Giesskannenlösungen.

Szenenwechsel: In diesen Tagen arbeiten der National- und Ständerat unter Zeit- und Hochdruck. Die Legislative ist dabei höchst produktiv und effizient. Was in normalen Zeiten mehrere Jahre in Anspruch nicht, dauern in Zeiten der ausserordentlichen Lage bloss noch wenige Tage. Das dabei angeschlagene Tempo ist sprichwörtlich atemberaubend. Zudem werden tradierte, bewährte und anerkannte rechtliche Grundprinzip gänzlich neu interpretiert bzw. ausgelegt. Dazu gehört insbesondere das Verhältnismässigkeitsprinzip. Dieses Prinzip ist ausnahmslos bei sämtlichen Eingriffen und Handlungen im Blick auf die Verfassungsmässigkeit zu berücksichtigen. Heute scheint dieses fundamentale Rechtsprinzip eher durch das Motto «Wo gehobelt wird, fallen Späne» substituiert zu werden. Es zählt Geschwindi...

Statt einen weiteren Blog für einmal ein kurzes Video. In Zeiten von Corona steht die gebaute Welt nicht still. Im Gegenteil. Es wird nie mehr so sein wie es einmal war. So verändert sich in diesem Tagen eine Mikrolage, die rund 100 Jahre Bestand hatte. «A room with a view», so lautet die Essenz aus diesem nachfolgenden Zeitraffer.

https://www.youtube.com/watch?v=HJsJ3nOEY7I

Quellen:

dr. urs hausmann strategieberatung

Musik:

Brian Ferry, As Time Goes By

Zahlen mit neun Nullen

​​38.2 Milliarden Franken wies die Schweizerische Nationalbank (SNB) als Verlust per Ende März 2020 für das erste Quartal aus (Medienmeldung vom 23. April 2020). Ebenfalls vorgestern titelte das SECO mit folgender Medienmitteilung «Stärkster Rückgang des BIP seit Jahrzehnten erwartet». Die Expertengruppe des Bundes rechnet mit einer realen Schrumpfung der Schweizer Volkswirtschaft von minus 6.7% auf Jahresbasis. Geht man von einem geschätzten Referenzwert für das Jahr 2019 für das nationale Bruttoinlandprodukt (BIP) von 690 Milliarden Franken aus, resultiert ein Schrumpfungspotenzial für das gesamte 2020 von rund 46 Milliarden Franken. Reihum handelt es um happige Beträge. Alles scheint konjunktur- und anlageseitig den Bach runterzugehen. Es sieht zappenduster aus. In diese unerfreuliche Momentaufnahme passen auch die fiebrigen Verläufe der Leitindizes der grössten und wichtigsten Wertpapier- und Rohstoffbörsen. Die Volatilität der Kurse ist im übertragenen Sinn a...

Zahlreiche Teile der Schweizer Volkswirtschaft wurden in einen Dornröschenschlaf versetzt. Aktuell laufen parallel sowohl der Prozess als auch die Debatte darüber, wann und wie sie wieder wachgeküsst sollte bzw. könnte. Leider handelt es dabei weder um einen Test noch um ein Experiment, sondern um eine Operation am lebenden Patienten.  Die der Wirtschaft verabreichte Medizin ist mit Risiken und Nebenwirkungen verbunden. Das ist offenkundig. Einer von vielen virulenten Brennpunkte betrifft Mietverträge von Geschäftsräumen. Insbesondere ist strittig, ob für solche öffentlich zugänglichen Räume, die krisenbedingt für das Publikum zwangsgeschlossen wurden (vgl. Art. 6 Abs. 2 COVID-19-Verordnung 2), während dieser Zeit ein Mietzins zu entrichten ist. Es geht dabei für beiden Seiten um sehr viel Geld. Eine Illustration: So mutierten umsatzstarke Detailhandelsflächen über Nacht zu profanen Lagerflächen. Dort wartet die Ware vergeblich auf neue Besitzer. Folglich dürften Mode-Aficionados und n...

​Erinnern Sie sich noch an die Zeiten, in denen Konjunkturauguren über das nachgeschobene Feintuning ihrer Konjunkturprognosen berichtigten? Da das unerwartete Ereignis X zu einer Eintrübung der Konjunktur führen dürfte, sahen sie sich, die Experten, veranlasst, ihre ursprüngliche Prognose für das Jahr Y von 1.7% auf 1.4% zu korrigieren. «Müssen wir nun darben», fragten sich Wirtschaftspessimisten. Tempi passati! Die Corona-Krise setzt bei Konjunkturexperten und nicht nur bei ihnen neue Massstäbe. Sie werden richtig mutig. Ihre Fantasie wird beflügelt. Sie packen den Zweihänder aus und malen mehr oder weniger düstere Wirtschaftsszenarien an die Wand. Statt sich Zeit für eine solide Analyse des «Undenkbaren» zu nehmen, schiessen fast täglich neue Spekulationen ins Kraut. Besonders heiss diskutiert werden die möglichen absehbaren konjunkturellen Verläufe: «V», «U», «L» oder gar ein «W», das sei hier die Frage, vielleicht.

Zugegeben: Vorlesungen über Makroökonomie bei Prof. Dr. M. Gärtner...

Rund 102 Jahre prägte eine stattliche Villa im Kreis 6 das Quartier- und Strassenbild mit. Damit ist jetzt unwiderruflich Schluss. Kurz vor Ostern 2020 – mitten im Lockdown – wird kleinräumig alles anders. Was geht Ihnen beim Betrachten des Fotos durch den Kopf? Woran denken Sie?

a) An mögliche Baustellenstopps?

b) An Mängel an der Mietsache nach Art. 256 OR, da Lärmimmisionen auf die Nachbarn einwirken?

c) An die notorisch tiefe Abbruchrate von Gebäuden in der Stadt Zürich?

d) An die erschwerten Bedingungen im Home-Office der tangierten Nachbarn?

e) An die Veränderung der Mikrolage vor Ort und die damit verbundenen immobilienökonomischen Folgen?

f) An das japanische Kirschblütenfest (Hanami) bei dem unter den Blüten der Kirschbäume gepicknickt wird?

Quelle von Foto und Video:

dr. urs hausmann strategieberatung

​​Rund jede fünfte Wohnung der Schweiz befindet sich in einem Einfamilienhaus. Letzters definiert sich dadurch, dass ein Gebäude exakt eine Wohnung beinhaltet. Weist das Gebäude zwei oder mehr Wohneinheiten auf, handelt es sich bereits um ein Mehrfamilienhaus. Die Population «Einfamilienhaus» wiederum umfasst hierzulande ziemlich genau eine Million Einheiten. Damit macht sie knapp 60% aller Wohngebäude der Schweiz aus. Umgekehrt wohnt jedoch weniger als ein Drittel der hiesigen Wohnbevölkerung in einem Einfamilienhaus. Soviel zum statistischen Wesen dieser Wohnform.

Weiter steht diese fragliche Wohnform für viele als Sündenbock bzw. als Sinnbild für die räumliche Zersiedelung einerseits und einen hohen Bodenverbrauch pro Kopf andererseits. Das Einfamilienhaus steht in diesem Kontext als Gegenerzählung zum Prinzip der planerischen Verdichtung. Die beiden knappen Ressourcen Boden und Landschaft werden demnach durch den Bau und die Nutzung von Einfamilienhäusern über Gebühr konsumiert. Die...

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