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Occasionsliegenschaft unter dem Hammer

130 Millionen Franken, soviel bezahlt die in Zug domizilierte «Blockchain Real Estate Company» BrickMark AG nach eigenem Bekunden für 80% der Aktien einer Zürcher Immobilienaktiengesellschaft (https://brickmark.io/). Das wertvolle Aktivum dieser Gesellschaft: die Liegenschaft befindet sich an der Bahnhofstrasse 52 in Zürich. Das Gebäude selbst wird 1882 auf der grünen Wiese noch als klassisches Wohn- und Geschäftshaus realisiert. In den Archiven figuriert es unter «Spinnerhaus», benannt nach dem Seidenhaus E. Spinner & Cie. Letztere erwirbt die Liegenschaft im Jahre 1908. Zu diesem Zeitpunkt besitzt das Haus noch eine aufwändige historistisch geprägte Fassade. Um 1930 erhält es sein heutiges Äusseres. In den 1960er-Jahren lehnt das Baukollegium ein Neubauprojekt mit einer Fassade aus Glas ab.

Zukunft beginnt mit Old School-Immobilie

Der kürzlich erfolgte Deal lässt aufhorchen: Erstens veräussert der Verkäufer das Grundstück nach einer eigenen Halteda...

Die Volkszählungen, die zwischen 1850 bis 2000 in der Regel alle 10 Jahre stattfanden, beinhalten einen wunderbaren Datenschatz. Am letzten Freitag fand im Landesmuseum Zürich eine halbtägige Veranstaltung zum Thema Statistik und Geschichte statt. Sie, die Veranstaltung «Die Schweiz (er)zählen – Geschichte und Statistik» drehte sich um die Veröffentlichung von historischen Volkszählungsdaten ab 1850 als animierte Webseite statt. Der Neuigkeitsgehalt liegt einerseits in der durchgehenden digitalen Verfügbarkeit dieser Daten. Andererseits lädt die kartografische Aufbereitung der Daten zum Schmökern ein. Für Akteure, welche die räumliche Dynamik und Entwicklung der Schweiz verstehen möchten, ein niederschwelliges Instrument, um die vielschichte Materie einzusteigen.

https://www.atlas.bfs.admin.ch/maps/undefined/de/14444_14427_14426/23007.html. 

https://www.census1850.bfs.admin.ch/de

Als optische Ergänzung empfehle ich das historische Kartenmaterial, das vom Bundesamt für Landestopografie se...

Rückblende

Die geografische Fläche der Stadt Zürich beträgt 91.885 Quadratkilometer. Seit der letzten Eingemeindungsrunde, die im Jahr 1934 über die Bühne ging, ist diese Fläche verstanden als geografischer Perimeter unverändert geblieben. Damals lebte 316'000 Menschen vor Ort. Sie wohnten in 88'600 Wohnungen. Mit anderen Worten belegten 3.56 Personen im Mittel eine Wohnung. Der mittlere Jahresmietzins betrug in jener Zeit für eine Vierzimmerwohnung (mit eigenem Bad!) 1855 Franken. Im Vergleich: Die Kosten für Wohnen und Energie für einen Privathaushalt dürften sich damit im selben Rahmen bewegt haben wie es heute der Fall ist.

Zwischen 1924 und 1934 wuchs der Wohnungsbestand in die Limmatstadt markant an. Öffentliche und private Bauträger sorgten in diesem Zeitfenster dafür, dass in Spitzenjahren deutlich über 3'000 Wohnungen neu gebaut wurden. Die damalige Bautätigkeit war in absoluten Zahlen gemessen mindestens auf Augenhöhe mit der heutigen. Ende der 1920er-Jahre beschäftigten in der...

Lesen Sie von Philosophen geschriebene Bücher? Ich meinerseits kann mich nicht zu den Viellesern in diesem Gefilden zählen. Kürzlich jedoch verschlang ich ein solches Werk: «Jäger, Hirten, Kritiker: Eine Utopie für die digitale Gesellschaft». Geschrieben hat es der Philosophie-professor Richard David Precht. Vieles darin ist erhellend. Mit am besten gefiel mir darin das Konzept der «shifting baselines». Es steht für einen schleichenden und meistens unbewussten Anpassungs- und Akzeptanzprozess in unseren Köpfen und letztlich in einer ganzen Gesellschaft. Ein unverfängliches Beispiel: Heute ist man rascher freiwillig oder auch ohne aktive Einwilligung per du als das noch vor einer Generation der Fall war. Die Sitten ändern sich. Niemand hat uns dazu gezwungen. Es passiert einfach. Eine neue Realität ist da.

Entscheidung aus Vernunft 

Zum genannten Konzept eine kleine Geschichte aus dem wirklichen Leben: In meiner Nachbar-schaft in der Stadt Zürich steht eine ältere Villa. Sie wurde vor kna...

28.10.2019

Komplexe Wahrnehmung von Preisveränderungen

Wissen Sie noch, wann Sie ihr erstes Natel gekauft haben? Und wieviel hat es gekostet? Im April 1999 erwarb ich meinerseits im Swisscom-Shop in Aarau mein erstes Gerät; ein «Nokia 6150». Dafür musste ich tief in die Tasche greifen und über 900 Franken auf den Tisch legen. Rund 20 Jahre später bewegen sich die Preise für ein iPhone 11 in derselben Grössenordnung. Wie also haben sich die tatsächlichen oder auch gefühlten Preise von den jeweils technisch führenden Mobiltelefonen hierzulande entwickelt? Sind sie im Mittel gesunken, unverändert geblieben oder gar gestiegen und vor allem wie stark waren die jeweiligen Veränderungen? Dahinter verbirgt sich eine bedeutsame Frage, nämlich jene, wie wir Veränderungen in Märkten und bei Preisen im Zeitverlauf wahrnehmen.

Die Antwort darauf geben ist nicht einfach und methodisch herausfordernd. Eines aber ist unabhängig davon sicher: Durch die 1998 in der Schweiz eingeläutete Liberalisierung von Telekommun...

21.10.2019

​​Eine Frage als Ausgangspunkt

Kürzlich fragte mich ein Bekannter, wie die hoch die Mietzinsen für Geschäftsnutzungen an der Zürcher Bahnhofstrasse seien. Zur fundierten Beantwortung hätte ein Blick in einschlägige Marktberichte gereicht. Aber nein, die Frage bezog sich nicht auf die Gegenwart, sondern auf die Zeit von vor 30 Jahren, also auf Ende 1989 bzw. Anfangs 1990. Die Frage motivierte mich, um in meinem Archiv etwas zu stöbern. Und tatsächlich wurde ich fündig. Dazu gleich mehr.

Rückblende

Im Laufe der 1980er-Jahre erhöhten sich die bezahlten Preise für Grundstücke und Liegenschaften in der Schweiz explosionsartig und flächendeckend.Ab Anfang der 1990er-Jahre erschütterte eine epochale Bankkredit- und Immobilienkrise die Schweizer Volkswirtschaft. Ausgelöst wurde sie letztlich durch eine Kumulation von weltwirtschaftlichen Ereignissen, wirtschaftspolitisch motivierten gesetzlichen Eingriffen und einer raschen Veränderung von massgeblichen Indikatoren im volkswirtschaftlichen Date...

17.10.2019

Rekordverdächtige Hypothekarverschuldung

Die mutmassliche hypothekarische Gesamtverschuldung in der Schweiz liegt gegenwärtig in der Grössenordnung von rund 1.1 Billionen Franken (Schätzung Herbst 2019). Davon gehen rund 95% auf das Konto von kreditgebenden Banken. Unter Bereinigung von Hypothekarkrediten, die nicht an Private gesprochen wurden, ergibt sich unter dem Strich eine hypothekarische Verschuldung von rund 264'000 Franken pro Haushalt. Zum Vergleich: Dies entspricht 2.2 Mal dem mittleren jährlichen Haushaltseinkommen. Diese Statistik hinkt offensichtlich, und zwar insofern, dass circa 60% der Haushalte nicht in einem Eigenheim leben, sondern einen Mieterhaushalt bilden. Folglich liegt die effektive mittlere hypothekarische Verschuldung der Haushalte, die tatsächlich Eigentümer von Wohneigentum sind, substanziell höher. Spannend wäre es natürlich deren statistische Verteilung zu kennen. Dazu fehlt es aber an geeignetem Zahlenmaterial.

Auf einer volkswirtschaftlichen Ebene ist de...

17.10.2019

Dürrenmattsches Durcheinandertal

Es gab Zeiten, in denen sich nur Insider und Branchenkenner mit der Arbeit der hiesigen Zentralbank beschäftigten. Eine zu trockene und technische Materie, um bei einem breiten Publikum Interesse zu wecken. Tempi passati! Heute stehen die dortigen Entscheidungsträger wie Popstars im Rahmenlicht der Öffentlichkeit. Es fehlt einem Klischee gehorchend lediglich der Glamour (und die Groupies sowieso). Aber aufgepasst: Die Entscheidungsträger besitzen sehr weitreichende Kompetenzen und die mit ihnen verbundene Verantwortung ist enorm hoch. So verwundert es nicht, wenn ihre Äusserungen auf die Goldwaage gelegt werden und Spekulationen über die Richtung der nächsten geldpolitischen Schritte – wie sattsam bekannt – hüben wie drüben ins Kraut schiessen. Seit etlichen Jahren scheint sich zudem der volkswirtschaftliche Datenkranz – zumindest im Denken und Handeln von vielen Wirtschaftsakteuren und Beobachtern – auf drei Grössen verjüngt zu haben: Die Höhe der Negat...

22.09.2019

Die Auktion

Fast auf den Tag genau habe ich vor einem Jahr  über eine freiwillige Versteigerung berichtet. Damals wurde eine gemischtgenutzte Liegenschaft am Ende der der Universitätsstrasse in der Stadt Zürich veräussert. Das höchste Gebot lag bei 7.6 Mio. Franken. Dafür erhielt der Käufer einen jährlichen Soll-Mietertrag von 180'000 Franken. Es resultierte eine statische Bruttoanfangsrendite von 2.37%. Dem Zufall ist es geschuldet, dass am 21. September 2019 für die Liegenschaft an der Universitätsstrasse 11 in 8006 Zürich (Kreis 6, Zürich-Oberstrass) ebenfalls freiwillig versteigert wurde. Verkäuferin waren mehrere Erbengemeinschaften. Die beiden Wohn- und Geschäftliegenschaften liegen knapp 800 Meter voneinander entfernt. Im Fachjargon gesprochen ein nahezu perfektes Vergleichsobjekt. Die Eckwerte: Erdgeschoss mit Domino's Pizza. Der Mietvertrag läuft bis Ende 2023. Im ersten bis zum fünften Geschoss befinden sich insgesamt eine 3-Zimmerwohnung und vier 4-Zimmerwohnungen. Alle Wohnu...

Wir leben in einer VUCA-Welt. Sie ist zugleich unbeständig, unsicher, komplex und mehrdeutig. Anlageseitig stellen sich mit dem herrschenden Regime von Negativzinsen zusätzliche Herausforderungen. Die Vermögensallokation dürfte daher – gemessen an «normalen Zeiten» krass verzerrt sein. Ob es sich dabei teilweise um mögliche Fehlallokationen handelt, weiss man noch nicht. Das wird sich dereinst zeigen. Fakt ist, dass Sach- oder Realwerte, namentlich vor allem Liegenschaften, seit geraumer Zeit hoch im Kurs stehen. Vor diesem Hintergrund mag ein fokussierter und spezifischer Blick auf die Schweizer Wirtschaftsgeschichte instruktiv sein: Im Herbst 1929 kündigte sich eine epochale Weltwirtschaftskrise an. Just zu diesem Zeitpunkt soll ein Vermögen von exakt 13'900 Franken innerhalb der Schweiz in eine einzige Assetklasse angelegt werden. So will es die Übungsanlage. Der unterstellte damalige Anlagehorizont soll mehr als 10 Jahre betragen haben. Es wird weiter ein Buy-and-hold-Ansatz vorges...

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