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Im Umgang mit Gefahren für Mensch und Umwelt nimmt das Vorsorgeprinzip eine zentrale Stellung ein. Es liegt in der Natur von fast allen Katastrophen, Notlagen und Krisen, dass weder ihre individuell-konkrete Erscheinungsform noch deren Zeitpunkt verlässlich antizipiert werden können. Gleichwohl versuchen Behörden in zahlreichen Themenfeldern, mögliche Belastungen und potenzielle Schäden im Voraus gänzlich zu vermeiden oder sie zumindest im Ernstfall in tragbaren Grenzen zu halten. Es gilt im Grundsatz auf das «Undenkbare» gebührend vorbereitet zu sein. Das Vorsorgeprinzip ist somit ein elementarer Baustein des Risikomanagements. Vorsorgen statt heilen (sofern letzteres überhaupt möglich ist) lautet das dazugehörige Credo. Hochspezifischen Bauten, Infrastrukturen oder Gebäuden kommt dabei oftmals eine systemrelevante Bedeutung zu. Man denke an landestypische Naturgefahren wie Lawinen, Steinschlag oder Überschwemmungen. Aber auch die Gefahr von Terroranschlägen gehört dazu. Je nach Gefah...

Seit sieben Jahren, elf Monaten und zwei Tagen mache ich Home-Office. Freiwillig und ressourcenschonend. Meine wichtigste persönliche Erkenntnis damit diese Übungsanlage effektiv funktioniert: Disziplin. Eine Binsenwahrheit, die sich freilich ein weiteres Mal zu bestätigen scheint.

Mein Thema dieses Beitrags ist aber ein anderes. Vielmehr geht es um die Beobachtung und Wahrnehmung von Raum und Zeit. Fast auf den Tag genau schloss ich vor 24 Jahren meine volkswirtschaftliche Doktorarbeit ab. Darin untersuchte ich die Innovationsfähigkeit von Dienstleistungsunternehmen in Verbindung mit ihrem physischen Unternehmensstandort. Die Schnittstelle zwischen Unternehmensstandort, individueller und kollektiver räumlicher Entwicklung sowie betrieblichen Innovationen zog mich schon damals in ihren Bann. Die Faszination hält bis heute an. In der volkswirtschaftlichen Theoriebildung aber nimmt die Dimension «Raum» in der Regel eine stiefmütterliche Rolle ein. «Ökonomie als Wunderland ohne Raum» wie e...

Als neugewählter Bundesrat wollte Ignazio Cassis anfangs 2018 den «Reset»-Knopf drücken. Es ging dem Aussenminister darum, die festgefahrene Situation im Dossier der Bilateralen Verträge mit der EU neu aufzugleisen. Er fand den gesagten Knopf nicht. Was dem Magistraten und Arzt aus dem Tessin nicht gelang, schaffte ein bisher unbekannter und gefährlicher Virus in Windeseile. Er schuf blitzartig neue und harte Realitäten. Die rasante Verbreitung des Virus zwingt zahlreiche Volkswirtschaften und in letzter Konsequenz die Weltwirtschaft in die Knie. Innerhalb von nur wenigen Wochen wurden hüben wie drüben mehr oder weniger kontrollierte volkswirtschaftliche Teil- oder Vollbremsungen staatlich verordnet.

Vor diesem Hintergrund hat der Bundesrat in etlichen privatrechtlichen Rechtsgebieten interveniert so auch im Mietrecht (konkret Ende März 2020). Im Falle eines Zahlungsverzugs seitens der Mieterschaft sind die hiesigen Normen streng: Nach Massgabe von Art. 257d Abs. 2 OR kann der Vermieter...

​​Das hierzulande geltende Notregime (teilweiser Lockdown) soll dazu beitragen, Menschenleben zu retten. Es ist das bisher fast unbestrittene Gebot der Stunde. So einzigartig dieses Regime im Massstab eins zu eins ist, so bemerkenswert ist auch seine Ergiebigkeit an Geschichten. Es liefert mir in einem fort Stoff zum Denken und Schreiben. Diesmal geht es um das Thema Immobilienbewertung. Seit kurzem weisen Verkehrswert- bzw. Marktwertschätzungen, die von hiesigen bewertenden Instanzen erstellt werden, einen besonderen «Disclaimer» auf. «Endlich!», schoss es mir als geschulter Volkswirt durch den Kopf als ich vor zwei Tagen davon zufällig erfuhr. «Endlich» ist hier nicht zeitlich zu verstehen, sondern es hat einen erkenntnistheoretischen Hintergrund.

Zur Vermeidung von allfälligen Missverständnissen sei zudem in Klammern angemerkt, dass die nachfolgend behandelte Textpassage korrekterweise nicht unter der Rubrik «Disclaimer» – auf gut Deutsch gesagt Haftungsausschluss – stehen sollte, so...

Seit 7 Jahren, 10 Monaten und 26 Tagen arbeite ich nun im Home-Office. Freiwillig. Zumindest von der Arbeitsplatzsituation her bedeutet für mich die herrschende ausserordentliche Lage «courant normal». Alles andere als normal präsentiert sich seit ein paar wenigen Wochen die Gefährungslage der Volksgesundheit einerseits und die volkswirtschaftliche Grosswetterlage andererseits. Es geschieht hüben wie drüben Historisches und bis dato «Undenkbares».

Minus 6.18%, soviel büsste der Total-Return-Index von kotierten Immobilienfonds an einem einzigen Handelstag an der Zürcher Börse ein. Man schrieb Freitag den 13. März 2020. Ausgerechnet an diesem neuralgischen Datum registrierte man den grössten Tagesverlust in dieser vergleichsweise kleinen Anlagegruppe. Und zwischen dem 10. und 17. März 2020 verlor derselbe Index im Total minus 16.2%. Diese Werte sind für sich genommen historisch einmalig. Denn in der rund 80-jährigen (Erfolgs-) Geschichte von Schweizer Immobilienfonds mussten Anleger noch...

Weltweiter Wirtschafts-Tsunami

Der Crash an der New Yorker Börse von Ende Oktober 1929 markierte den Startpunkt der Weltwirtschaftskrise. Die Schweiz als kleine offene Volkswirtschaft bekam die Auswirkungen dieser epochalen Krise zeitverzögert, dann aber ab 1932 mit voller Heftigkeit zu spüren: Eine hartnäckige Rezession war die Folge; die Arbeitslosigkeit schnellte in die Höhe. Die volkswirtschaftliche Lage war prekär und düster. Vor diesem Hintergrund beschoss das Bundesparlament in den Jahren 1933 und 1936 umfassende und einschneidende Finanzprogramme zur Aufrechterhaltung der staatlichen Funktionsfähigkeit. Die Behörden stützten sich dabei auf ausserkonstitutionelles Notrecht.

Punktuelle Rückblende

Am 10. Mai 1929 schloss der Gastronom J. Rogenmoser einen Mietvertrag über 15 Jahre ab. Mietobjekt war ein Restaurant im Neubau der «Alten Börse» in der Stadt Zürich. Das Gebäude lag und liegt in unmittelbarer Nähe zum Paradeplatz (Bleicherweg/Talstrasse). Der Mietvertrag beinhaltete eine S...

Occasionsliegenschaft unter dem Hammer

130 Millionen Franken, soviel bezahlt die in Zug domizilierte «Blockchain Real Estate Company» BrickMark AG nach eigenem Bekunden für 80% der Aktien einer Zürcher Immobilienaktiengesellschaft (https://brickmark.io/). Das wertvolle Aktivum dieser Gesellschaft: die Liegenschaft befindet sich an der Bahnhofstrasse 52 in Zürich. Das Gebäude selbst wird 1882 auf der grünen Wiese noch als klassisches Wohn- und Geschäftshaus realisiert. In den Archiven figuriert es unter «Spinnerhaus», benannt nach dem Seidenhaus E. Spinner & Cie. Letztere erwirbt die Liegenschaft im Jahre 1908. Zu diesem Zeitpunkt besitzt das Haus noch eine aufwändige historistisch geprägte Fassade. Um 1930 erhält es sein heutiges Äusseres. In den 1960er-Jahren lehnt das Baukollegium ein Neubauprojekt mit einer Fassade aus Glas ab.

Zukunft beginnt mit Old School-Immobilie

Der kürzlich erfolgte Deal lässt aufhorchen: Erstens veräussert der Verkäufer das Grundstück nach einer eigenen Halteda...

Die Volkszählungen, die zwischen 1850 bis 2000 in der Regel alle 10 Jahre stattfanden, beinhalten einen wunderbaren Datenschatz. Am letzten Freitag fand im Landesmuseum Zürich eine halbtägige Veranstaltung zum Thema Statistik und Geschichte statt. Sie, die Veranstaltung «Die Schweiz (er)zählen – Geschichte und Statistik» drehte sich um die Veröffentlichung von historischen Volkszählungsdaten ab 1850 als animierte Webseite statt. Der Neuigkeitsgehalt liegt einerseits in der durchgehenden digitalen Verfügbarkeit dieser Daten. Andererseits lädt die kartografische Aufbereitung der Daten zum Schmökern ein. Für Akteure, welche die räumliche Dynamik und Entwicklung der Schweiz verstehen möchten, ein niederschwelliges Instrument, um die vielschichte Materie einzusteigen.

https://www.atlas.bfs.admin.ch/maps/undefined/de/14444_14427_14426/23007.html. 

https://www.census1850.bfs.admin.ch/de

Als optische Ergänzung empfehle ich das historische Kartenmaterial, das vom Bundesamt für Landestopografie se...

Rückblende

Die geografische Fläche der Stadt Zürich beträgt 91.885 Quadratkilometer. Seit der letzten Eingemeindungsrunde, die im Jahr 1934 über die Bühne ging, ist diese Fläche verstanden als geografischer Perimeter unverändert geblieben. Damals lebte 316'000 Menschen vor Ort. Sie wohnten in 88'600 Wohnungen. Mit anderen Worten belegten 3.56 Personen im Mittel eine Wohnung. Der mittlere Jahresmietzins betrug in jener Zeit für eine Vierzimmerwohnung (mit eigenem Bad!) 1855 Franken. Im Vergleich: Die Kosten für Wohnen und Energie für einen Privathaushalt dürften sich damit im selben Rahmen bewegt haben wie es heute der Fall ist.

Zwischen 1924 und 1934 wuchs der Wohnungsbestand in die Limmatstadt markant an. Öffentliche und private Bauträger sorgten in diesem Zeitfenster dafür, dass in Spitzenjahren deutlich über 3'000 Wohnungen neu gebaut wurden. Die damalige Bautätigkeit war in absoluten Zahlen gemessen mindestens auf Augenhöhe mit der heutigen. Ende der 1920er-Jahre beschäftigten in der...

Lesen Sie von Philosophen geschriebene Bücher? Ich meinerseits kann mich nicht zu den Viellesern in diesem Gefilden zählen. Kürzlich jedoch verschlang ich ein solches Werk: «Jäger, Hirten, Kritiker: Eine Utopie für die digitale Gesellschaft». Geschrieben hat es der Philosophie-professor Richard David Precht. Vieles darin ist erhellend. Mit am besten gefiel mir darin das Konzept der «shifting baselines». Es steht für einen schleichenden und meistens unbewussten Anpassungs- und Akzeptanzprozess in unseren Köpfen und letztlich in einer ganzen Gesellschaft. Ein unverfängliches Beispiel: Heute ist man rascher freiwillig oder auch ohne aktive Einwilligung per du als das noch vor einer Generation der Fall war. Die Sitten ändern sich. Niemand hat uns dazu gezwungen. Es passiert einfach. Eine neue Realität ist da.

Entscheidung aus Vernunft 

Zum genannten Konzept eine kleine Geschichte aus dem wirklichen Leben: In meiner Nachbar-schaft in der Stadt Zürich steht eine ältere Villa. Sie wurde vor kna...

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